Norwegen 2019

21 Tage 4108 km 4 Länder

5. September 2019

Los ging es im schönen Rheinhessen Richtung Skandinavien. Unser erster Stopp war das Bürgerbüro, um einen Reisepass für Tochter Campisfaction abzuholen.

Ziemlich genau 500 km führten uns zu unserem ersten Rastplatz bei der Lüneburger Heide.

Bereits während der Fahrt fiel uns auf, was wir noch hätten mitnehmen sollen. Das war der Anfang für eine ziemlich lange Liste an Dingen, die fehlten, die anders besser gewesen wären und schlussendlich einiges verbessert hätten.

Wir hatten für etwas mehr als eine Woche zu Essen dabei. Doch an eine Reiseverpflegung hatten wir nicht gedacht. Belegte Brötchen oder einfach irgendwas, was man während der Fahrt gut essen kann. Ein Thermobecher für den Kaffee unterwegs wäre sinnvoll gewesen. Der blieb aber leider zuhause, sodass wir schändlicher Weise doch auch mal einen Kaffee to go an der Tanke kauften. Ebenfalls gefehlt hat uns eine Bluetoothbox. Zuvor hatte ich ein paar Hörbücher auf mein Handy geladen, doch über das Handy hören ohne Box war einfach zu leise.

Anfangs war es sehr ungewohnt, wild zu campen, besonders in Deutschland, da das ja eigentlich nicht erlaubt ist. Doch bevor man total übermüdet weiterfährt, ist das Wildcampen gestattet. Direkt in der ersten Nacht fuhr ein Streifenwagen auf den Parkplatz und Polizisten liefen mit Taschenlampen herum. Sie kamen nicht zu uns und so konnten wir stehen bleiben.

Bereits nach der ersten Nacht merkten wir, dass ein kleiner Besen und eine Kehrschaufel sinnvoll gewesen wären. Es kommt doch einiges an Dreck in den Bus. Ein Zweig mit Blätter tat es dann aber auch.

Abendessen: Baked Beans (Rezept gibt es hier)

6. September 2019

Am zweiten Tag ging es 574,7 km von der Lüneburger Heide nach Hirtshals in Dänemark, von wo aus wir mit der Fähre nach Norwegen übersetzten. Die Fähre von Hirtshalts nach Kristiansand buchten wir noch auf der Fahrt bei Fjordline. Es empfiehlt sich, die Fähre rechtzeitig zu buchen, um den ein oder anderen Euro zu sparen.

Die zweite Nacht verbrachten wir auf einem Parkplatz in Hirtshals unweit des Fährhafens.

Der morgendliche Kaffee
Abendessen: Wraps (Rezept gibt es hier)

Die Lektion des Tages war, dass es sinnvoll ist zuerst das Lager aufzubauen, bevor man das Essen zubereitet. Wenn einen der Regen überrascht, macht es einfach keinen Spaß, das Lager aufzubauen.

7. September 2019

Am dritten Tag stand die Überfahrt mit der Fähre an.

Nach der Überfahrt ging es Richtung Odda. Nach etwa 120 km fingen wir an, einen Platz zum Schlafen zu finden. Hier stellte sich schon heraus, dass es wirklich schwierig ist, einen schönen Platz direkt am Wasser zu finden. Irgendwann gibt man sich dann mit einem Platz zufrieden, der okay ist.

Abendessen: Bratkartoffeln (Rezept gibt es hier)

An diesem Tag gab es ein paar Lektionen, die wir lernten:

  • Eine feste Seitenmarkise ist Pflicht, denn meine Lösung mit einer Plane und Teleskopstangen dauert zu lange, zumindest wenn es anfängt zu regnen.
  • Wasserreinigungstabletten sollte man immer dabei haben, wenn man mal kein sauberes Wasser findet.
  • Der Wassernachschub sollte geplant werden (An Tankstellen kann man immer das Wasser nachfüllen).
  • Plätze zum Campen sollte man vorher heraussuchen. Das spart einem einiges an Zeit ein.

8. September 2019

Circa 100 km Fahrt führten uns nach Odda. Dort steuerten wir direkt einen Campingplatz an, um mal duschen zu können und bereits auch die erste Ladung Wäsche zu waschen.

Der Campingplatz in Odda ist wirklich schön und liegt unmittelbar an einem See und ist unweit eines Gletschers. Da wir außerhalb der Saison reisten, hatten wir auch nirgends Probleme, einen Stellplatz zu bekommen. Während der Saison ist es sehr schwierig und man benötigt oft eine Campingkarte.

Die Lektion für diesen Tag war, dass eine Außensteckdose durchaus sinnvoll ist, wenn man mal Landstrom braucht. Glücklicherweise konnte ich das Verlängerungskabel aus der Fahrertür legen und trotzdem die Tür schließen, da das Kabel in der Tankdeckelöffnung Platz fand. Eine Mehrfachsteckdose, sowie ein langes Kabel sollte man auch dabei haben.

Abendessen: Linseneintopf (Rezept gibt es hier)

9. September 2019

Vom Campingplatz in Odda ging es 40 Kilometer zum Folgefonna Nationalpark.

Folgefonna Nationalpark

Hier ein paar Eindrücke vom Park:

Eine traumhafte Landschaft mit unglaublichen Wassermassen.

Nach unserer kleinen Wanderung ging es wieder 40 Kilometer zurück Richtung Odda. Dieses Mal suchten wir uns einen Stellplatz unweit des Campingplatzes der letzten Nacht. Es wurde ein Steinbruch.

Das ganze Geröll am steilen Hang hätte durchaus auch seinen Weg in Richtung Bus finden können. Zumindest hätte uns eine große verrostete Baggerschaufel, die direkt neben dem Bus lag, geschützt.

Lektionen des Tages

An diesem Tag mussten wir lernen, dass es sinnvoll ist, sich frühzeitig um einen Stellplatz oder Campingplatz zu kümmern. Je später es wird, desto schwieriger wird es auch, gerade wenn man ein Baby dabei hat. Babies brauchen eine gewisse Routine, die im Urlaub oftmals nicht eingehalten werden kann und dann hat man den Salat!

Eine ordentliche Kochausstattung sollte man ebenfalls dabei haben. Uns hat ein Nudelsieb gefehlt. Es geht zwar auch im Topf mit Deckel aber mit einem Sieb ist es dann doch einfach, das Wasser abzuschütten.

Mir kam irgendwann auch der Gedanke auf, dass ein Abschleppseil sinnvoll wäre. Auf der Stellplatzsuche wagt man sich dann doch auch mal in unbefestigtes Gelände und hat sich ruckzuck festgefahren. Außerdem kann man anderen Campern in Nöten helfen.

10. September 2019

Vom Steinbruch führte uns unser Weg knappe 10 Kilometer zu einem Parkplatz in der Nähe der Trolltunga. Die Trollzunge ist ein Felsvorsprung in Form einer Zunge mit Blick auf den Sørfjord. Die Wanderung dorthin ist anspruchsvoll aber machbar. Von zwei verschiedenen Parkplätzen führen Shuttlebusse zum Anfang der Wanderung. Leider konnten wir das Shuttle nicht nutzen, da keine Sitzmöglichkeiten für Kinder unter zwei Jahren vorhanden sind. Deshalb mussten wir eine geteerte Straße knapp vier Kilometer entlanglaufen, bevor die Wanderung überhaupt losging.

Die Shuttlebusse kosten etwa 50€ pro Person und das Parken auch nochmal 40€. Ein relativ teurer Spaß, der sich aber mehr als lohnt. Die Wanderung ist gute 28 Kilometer lang, mit einem genialen Ausblick. Aber überzeuge Dich selbst:

Nach der Wanderung suchten wir uns direkt einen Campingplatz, denn wir wollten DUSCHEN. Unsere Wahl fiel auf den Campingplatz in das etwa 40 Kilometer entfernte Lofthus. Sehr gemütlich und schön gelegen.

Lektionen des Tages

Auf eine sehr schmerzliche Art und Weise mussten wir feststellen, dass wir keine geeignete Trage für Tochter Campisfaction dabei hatten. Für einen Stadtbummel oder eine kleine Wanderung reicht sie aus, aber nicht für eine solche Wanderung. Zusätzlich zu 7 kg Baby hatte ich auf dem Rücken eine gut 15 kg schweren Rucksack auf. Noch etwa zwei Wochen nach der Wanderung hatte ich Probleme mit meiner Schulter. Für das nächste Mal wird auf jeden Fall eine gescheite Trage angeschafft!

Leider mussten wir auch herausfinden, dass der Bus einfach zu klein ist für zwei Erwachsene und ein Baby. Das Essen bei schlechtem Wetter im Inneren war schwer möglich und nicht wirklich komfortabel. Deshalb kommen demnächst Drehkonsolen unter die Vordersitze, damit man entspannt im Bus essen kann.

11. September 2019

Vom Campingplatz in Lofthus führte uns unser Weg 147,1 Kilometer zum Campingplatz in Bergen. Kein schöner Platz, direkt im Industriegebiet. Passend zum Datum war das der unschönste Tag unserer Reise. Da wir eine Pause brauchten, mieteten wir uns eine Hütte für zwei Nächte. Die Kleidung war nass und die Stimmung etwas am Boden.

Die Lektion des Tages

Manchmal muss man auch mal von seinen Plänen abweichen und die Bedürfnisse anderer in den Vordergrund stellen. In der Hütte konnten wir entspannen und neue Energie für den Rest der Reise tanken.

12. September 2019

An diesem Tag schauten wir uns Bergen an. Da die Busverbindung in die Stadt nicht existierte, blieb uns nichts anderes übrig, als mit unserem Camper zu fahren. Zuvor informierten wir uns über die Parkplatzsituation in der Stadt und entschieden uns für einen kostenpflichtigen Parkplatz in Stadtnähe. Doch leider machte uns der Ticketautomat einen Strich durch die Rechnung, da er keine unserer Kreditkarten akzeptierte. Also fuhren wir drauf los und brauchten eine geschlagene Stunde, um einen Parkplatz in einem Wohngebiet zu finden…

In Bergen selbst war es sehr schön und das Essen auf dem Fischmarkt ein Erlebnis. Ein weiteres Erlebnis war Bryggen in Bergen. Eine historische Stadt mit einem ganz eigenen Charme.

Mit der Floy Bahn ging es auf den Berg Floyen:

Lektion des Tages

Bevor man ein Land oder eine gewisse Region bereist, sollte man sich über die Wetterbedingungen vor Ort informieren. Bergen ist Europas regenreichste Stadt. Ein Regenschirm oder Regenponcho hätte uns den Tag doch ein wenig verschönert, wenn auch gleich wir wirklich Glück mit dem Wetter hatten.

13. September 2019

Von Bergen führte uns unser Weg nach Flam. Knapp 200 Kilometer Fahrt lagen hinter uns. Da wir noch ein wenig Zeit vor dem Abendessen entschieden wir uns kurzerhand für einen Miniausflug zur Aussichtsplattform Stegastein.

Unser Schlafplatz für die Nacht schien wie für uns gemacht. Wirklich breiter hätte der Camper nicht sein dürfen.

Lektion des Tages

Schneeketten könnten sinnvoll sein, je nach Wetter. Teilweise sind die Straßen mit Warnhinweisen versehen und sollten dementsprechend auch ernst genommen werden.

14. September 2019

Dieser Tag war wieder sehr regenreich. Unternehmungen im Trockenen schienen uns angebracht. Zuerst besuchten wir das knapp 50 Kilometer entfernte Viking Village, das zwar nicht wirklich im Trockenen war, aber dennoch einen Besuch wert. Der Eintrittspreis von 20€ war recht hoch, dafür konnte man aber auch Axtwerfen und Bogenschießen ausprobieren. Für mich als alten Wikinger war das ein Highlight.

Das waren nur ein paar Eindrücke. Wer sich für die Kultur der Wikinger interessiert, sollte die 20€ Eintritt in Kauf nehmen. Die Mitarbeiter sind sehr authentisch und wenn es stimmt, leben sie dort zum Teil sogar.

Nach dem Viking Village hatten wir noch ein paar Stunden Zeit, bis zur Dämmerung aber das Wetter wurde zunehmend schlechter, sodass wir uns dieses Mal wirklich für eine Aktivität im Inneren entschieden. Wir machten einen Ausflug mit der Flam Bahn. Auch wieder ein recht teurer Spaß mit knapp 40€ pro Person für eine zwei Stünde Hin- und Rückfahrt. Ein Glück zahlt man dann doch für Babys nichts.

Verzeiht mir die Spiegelung auf manchen Bildern, doch über den Status eines Hobbyfotografen bin ich noch nicht gekommen.

Nach unseren zwei Ausflügen steuerten wir den einzigen Campingplatz in Flam an. Außer uns waren noch zwei andere Wohnmobile vor Ort, also hatten wir den Platz quasi für uns alleine.

Lektionen des Tages

Nach dem Essen sollte man das Spülen nicht vergessen. Doch ein Behältnis für das dreckige Geschirr sollte man ebenfalls nicht vergessen. Wir funktionierten kurzerhand Tüten um, hatten allerdings so unsere Probleme damit. Eine stabile Spülbütte macht durchaus Sinn.

15. September 2019

Vom Campingplatz in Flam ging es Richtung Norden. Unser Ziel sollte das Geyrangerfjord werden. Es kam jedoch ein wenig anders als gedacht…

Nach etwa 90 Kilometern erreichten wir einen Parkplatz beim Vettisfossen. Ein ganz besonderer Wasserfall mit über 200 Metern freiem Fall. Die Wanderung war zunächst nicht sehr anspruchsvoll, eine gewisse Grundfitness sollte aber schon vorhanden sein.

Kurz vor dem Vettisfossen begegneten uns zwei Wanderer, die uns vor dem Weitergehen warnten. Der Boden sei sehr rutschig und der Abstieg beschwerlich. Schweren Herzens lies ich Tochter und Misses Campisfaction zurück und sputete mich, den Wasserfall doch noch zu sehen. Es hat sich gelohnt:

Leider hatten wir auch an diesem Tag wieder sehr schlechtes Wetter, was mich direkt zu den Lektionen des Tages führt.

Lektionen des Tages

Auch Regenkleidung wird irgendwann nass. Wenn man dann keinen Ersatz hat, wird es irgendwann ungemütlich. Das führt direkt zur nächsten Lektion. Nach einer anstrengenden Aktivität und reichlich Regen, will man heiß duschen und sich ausruhen. Deshalb sollte im voraus klar sein, wo man nach der Unternehmung unterkommen möchte. Nass, hungrig und müde sucht man nicht ganz so entspannt nach einer Schlafmöglichkeit.

Nach der Wanderung fuhren wir immer nördlicher Richtung Geyrangerfjord. Auf dem Weg dorthin wollten wir einen beliebigen Campingplatz anfahren. Doch wir fuhren höher und höher. Die Schneefallgrenze kam immer näher und die Sommerreifen kamen an ihre Grenzen. Als der erste Schnee den Camper berührte, tragen wir eine Entscheidung. Dieses Risiko konnten wir nicht eingehen. Nur, weil wir unbedingt in den Nordern wollten, konnten wir nicht das Leben unserer Tochter und das unsrige riskieren. Nach gut 90 Kilometer fahrt, kehrten wir um und fuhren den selben Weg zurück. Demotiviert, nass und hungrig suchten wir uns einen Campingplatz. Zu guter letzt überraschte uns noch ein Unwetter und wir entkamen nur knapp einer überschwemmten Straße mit reichlich Geröll. Ich buchte direkt eine Hütte auf dem Laerdal Campingplatz, um die Stimmung wieder etwas anzuheben, was mir auch gelang. Wir mussten nun unseren Plan umstellen, denn der Nordern war einfach nicht drin. Zu schlecht vorbereitet, zu schlecht geplant. Diesen Schuh muss ich mir wohl anziehen.

Wir entschieden uns, noch ein paar schöne Urlaubstage zu verbringen und fassten den Entschluss, über Oslo nach Schweden, genauer gesagt Göteborg zu fahren. Dort war die Wetterprognose deutlich besser.

16. September 2019

285,2 Kilometer später fanden wir uns auf dem Bogstad Campingplatz in Oslo wieder. Die Strecke von Laerdal nach Oslo war landschaftlich ein Traum und das Wetter wurde zunehmend freundlicher.

Zwischenstopp auf dem Weg nach Oslo

Der Bogstad Campingplatz ist sehr empfehlenswert. Die sanitären Einrichtungen sind hoch modern und für Kleinkinder kostenfrei.

Eine Besonderheit ist der fußläufig erreichbare See direkt am Campingplatz.

Lektionen des Tages

Beim Abendessen Kochen kam Wind auf. Wir hatten uns trotz vorhandener Küche auf dem Campingplatz zum Kochen mit dem Gaskocher entschieden. Der Wind blies immer wieder die Flamme zur Seite, sodass nicht genug Hitze entstand. Aus einer Plane bastelte ich einen improvisierten Windschutz und konnte so unser Abendessen zubereiten. Ein Kocher mit integriertem Windschutz erspart einem das Ärgernis, hungrig gegen den Wind anzukämpfen.

Auf der Fahrt nach Oslo reduzierte sich das Datenvolumen auf dem Handy von Misses Campisfaction. Da Navigationsapps mit aktuellen Informationen aus dem Internet gefüttert werden, funktioniert das leider nur richtig mit ausreichendem Datenvolumen. Mein Handytarif ist leider nur innerhalb Deutschlands nutzbar, sodass wir auf Alternativen angewiesen waren. Ich hatte mir zuvor eine offline Karte von Norwegen bei maps.me heruntergeladen. So konnten wir auch ohne eine Internetverbindung navigieren.

17. September 2019

Den Tag verbrachten wir in Oslo. Wer Großstädte mag, wird Oslo lieben. Für meinen Geschmack waren es zu viele Menschen, da wir ja eigentlich einen reinen Campingurlaub geplant hatten. Trotzdem muss ich sagen, dass Oslo ein schöne Stadt ist. Hier siehst Du ein paar Eindrücke:

18. September 2019

Von Oslo fuhren wir weiter Richtung Göteborg. Nach 334, 4 Kilometern kamen wir an einem Campingplatz an, der leider geschlossen war. Einmal quer durch die Stadt erreichten wir den Liseberg Campingplatz. Da wir leider keine Auswahl hatten, mussten wir auf diesem Massencamperhaltungsplatz nächtigen. Ein Gutes hatte es jedoch. Wir lernten ein Ehepaar mit Kind kennen, zu denen wir auch jetzt noch Kontakt halten.

To be continued…

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